Geht Kinderarmut wirklich zurück?

Kinderarmut © S.Kobold - Fotolia.com

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Vor wenigen Tagen zog eine scheinbar positive Nachricht um den Rückgang der Kinderarmut ihre Runden. Sowohl die “Süddeutsche Zeitung” als auch der “Spiegel” berichteten davon, dass die Zahlen der Kinder aus Hartz-IV-Familien stark zurück gegangen sei. Arbeitsministerin von der Leyen als auch Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Alt, erfreuten sich der guten PR rund um ihre Person und begründeten den Fortschritt ihrerseits mit der eigenen Arbeit als Ursache.

Laut Vorstand der Arbeitsagentur ist der Rückgang dieser Zahlen damit gleichzusetzen, dass die Eltern der betroffenen Kinder durch das Jobcenter in eine Beschäftigung gebracht werden konnten. Einer Darstellung der Bundesagentur zufolge, sank die Zahl der Kinder in sogenannten “SGB II-Bedarfsgemeinschaften” von September 2006 bis 2011 um 13,5 %.  Allerdings wurde hierbei nicht berücksichtigt, dass in diesem Zeitraum auch insgesamt die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren in Deutschland zurückging. So äußerte sich die Leipziger Stadträtin der Linken und schloss aus ihren Rechnungen eine Verringerung von lediglich 6,1 %. Die Euphorie um den Rückgang der Kinderarmut würde dadurch erheblich relativiert werden, so Witte.

Während sich vor allem Bayern mit den sinkenden Zahlen rühmen kann, steht Berlin an letzter Stelle im bundesweiten Vergleich. Hier konnten die Zahlen der betroffenen Kinder nur um 1,2 % verringert werden, während diese im Süden des Landes immerhin 22,1 % ausmachen. Doch auch hier verändert sich die Rangliste unter den Ländern bei Berücksichtigung der tatsächlichen Kinderzahl. Demnach stünde Thüringen ganz vorne im Rückgang der Kinderarmut und Nordrhein-Westfalen bildete das Schlusslicht.

Zudem spielt die starke Abwanderung junger Menschen aus Flächenstaaten wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Thüringen eine Rolle. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge zu Beginn der 1990er Jahre bekämen junge Eltern hier heute deutlich schneller eine Anstellung als noch vor einigen Jahren. So gelang es den Ländern also nur zum Teil, die Kinderarmut tatsächlich zu verringern und es ist stark zu sondieren, inwiefern eine wirkliche Entwicklung stattfand und nicht nur PR für die Arbeitsagentur.

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